Das Privatgutachten

Informatives

Der Ablauf und die Inhalte der privaten Sachverständigentätigkeit sind prinzipiell dem der gerichtlichen Tätigkeit identisch.

Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass Privatgutachten von privater Seite durch Privatpersonen, Organisationen, Gesellschaften oder auch Behörden beauftragt werden.

Sinn und Zweck eines Privatgutachtens ist es,

  • dem Auftraggeber fehlendes Fachwissen zu vermitteln.
  • Dritten gegenüber Tatsachen oder Sachverhalte nachzuweisen, um diese zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen.
  • mögliche Ansprüche, ohne gerichtliche Auseinandersetzung und deren Folgekosten, geltend zu machen, oder Meinungsverschiedenheiten durch Feststellungen von Sachverhalten beizulegen.
  • gutachterliche Bewertungen von Soll- und Ist-Zuständen.

Besonderheiten des Privatgutachtens

Entgegen eines Beweisbeschlusses durch das Gericht in einem Gerichtsgutachten, wird die Themenformulierung, in einem Privatgutachten, durch den Auftraggeber vorgegeben.

Der Sachverständige muss darauf achten, dass das Thema klar und eindeutig bezeichnet und eingegrenzt wird. Er sollte seinem Auftraggeber bereits bei der Ausarbeitung der Fragestellung helfen, da er sich dadurch möglicherweise unnötige Arbeit und zuweilen auch Ärger ersparen kann.

Im Zusammenhang mit einem durchzuführenden Ortstermin, sollte der Sachverständige beide Parteien dazu einladen. Er entgeht damit der Gefahr, nur einseitig informiert zu werden. Da zwischen dem Auftraggeber und dem Sachverständigen ein zweiseitiges Vertragsverhältnis (Werkvertrag) besteht, muss sich der Sachverständige dem Willen seines Auftraggebers beugen, wenn dieser die Hinzuziehung der Gegenpartei zum Ortstermin verweigert.

Vergleichsbereitschaft der Parteien

Bei einem Ortstermin kann es vorkommen, dass der Sachverständige aus den Gesprächen der Parteien heraushört, dass diese bereit sind, einen Vergleich auf der Basis seiner Feststellungen zu treffen. Einer solchen Vergleichsbereitschaft kann der Sachverständige nachgehen, auch wenn er von sich aus in der Regel den Parteien keine Vergleichsvorschläge unterbreiten sollte. Es kann durchaus angebracht sein, dass der Sachverständige auch einen Vergleich protokolliert und von den Parteien unterschreiben lässt. Die Frage der durch die Einschaltung des Sachverständigen entstandenen Kosten ist neben diesem Vergleich gesondert zu regeln.